“Regen, Regen, Regen und frieren wie Schlosshunde”

 

Nach fünfeinhalb Stunden fuhren Dani Probst und Ueli Zimmerli im Ziel in Nauders ein. Mit der elft schnellsten Etappen-Zeit in ihrer Kategorie konnten sie im Gesamtklassement auf Platz 8 (Kat. Grand Master) vorrücken. Die erste Reaktion von Dani Probst aus dem Zielgelände: “Regen, Regen, Regen – und gefrohren haben wir wie Schlosshunde”
 

Nach der ersten Regeneration, Nachtessen und dem Service an den Bikes, sandte uns Dani seine Eindrücke der heutigen ‘Odyssee’:

“Heute, Start zur 2. Etappe des Transalps 2014 um 09:00 Uhr. Der Wetterbericht war Tagesthema Nummer 1. Leider bewahrheiteten sich die schlechten Prognosen. Beim Frühstück sah es noch trocken aus und alle die dachten, es werde ja gar nicht so schlimm, wurden getäuscht.

Bei der Startaufstellung fielen die ersten Tropfen – gefolgt von Donner und einem ausgewachsenen Gewitter. Beim ersten Aufstieg ging’s erst recht los mit dem Regen und dieser war unser grösster Gegner bei der heutigen Etappe.
Zuerst auf Asphalt und dann auf Schotter ging es die ersten 25 Kilometer “gemächlich” die ersten 1000 Höhenmeter hoch zum höchsten Punkt der heutigen Wasserfahrt, der Pillerhöhe, auf 1500 Metern über Meer. Die tiefen Temperaturen machten uns schon sehr früh zu schaffen – kein Wunder, wir waren trotz Regenjacken bis auf die blanke Haut durchnässt. Zwischendurch konnten wir uns ein bisschen von der Steigung erholen, nicht aber vom Wetter. Der Regen verwandelte die Forststrassen innert weniger Minuten zu kleinen Bergbächen und das Wasser kam von überall herunter. Die Abfahrten – am Transalp ansonsten ein Genuss – verwandelten sich in Rutschpartien, wo wir vor lauter Schlamm und Dreck kaum mehr freie Sicht hatten.”

Bild: sportograf.com

“Endlich im Tal angekommen, wurde es auch wieder ein bisschen wärmer und an der ersten Verpflegestation konnten wir uns mit einem warmen Getränk auch von innen ein bisschen wärmen.
Auf dem Weg zur Via Claudia versprachen uns die Organistaoren einen atemberaubenden Eindruck. Wir aber mussten schauen, dass wir nicht auf dem Schlamm und Dreck den Weg hinunter rutschten, so glatt machte der Regen den Singeltrail. So dachten wir vor Aufstieg zur Pfundser Tschey: “endlich wieder rauf, dann haben wir wenigstens warm”. Aber der 750 Höhenmeter Anstieg war eine wortwörtliche Fahrt vom Regen in die Traufe, wenn die Moral nahe am Ende ist. “Was mach ich eigentlich hier!” – die Frage musste ich immer wieder verdrängen.

Oben angekommen – ansonsten eine Freude – man freut sich “auf’s runter”, sprich die Abfahrt, aber auch da wurde ich wieder enttäuscht und hatte (zumindest) sehr viel Glück bei einem Sturz: Der Regen hatte die Abfahrten sehr gefährlich gemacht. Das Motto war “irgendwie einfach nur da runter”. Da wir unsere Hände kaum spürten, war das Bremsen eine Kunst für sich. Und überall einfach nur Schlamm und Dreck, der uns nur noch so um die Ohren flog. Bei einer Holzbrücke fehlte ein Teil. Ich hatte die Stelle zu spät gesehen, wollte kurz ausweichen und schon fuhr ich in einen vorstehenden Felsen – mit dem Gesicht voran. Zuerst dachte ich an meine Zähne, aber dann schmerzte “nur” die Backe. Diese hat jetzt ein paar Kratzer.

Aber es ging weiter. Bei Pfunds kam dann ein kurzer, aber sehr heftiger Anstieg, der mich die Schmerzen im Gesicht vergessen lies. Auf Asphalt ging es Richtung Heimat, ein kurzer Abstecher in die Schweiz. Beim Zollübergang Martina erwartete uns wieder Kevin, welcher uns zur letzten Stärkung ein paar Getränke und Muntemacher reichte.
Aber am liebsten wäre ich in das Begleitfahrzeug eingestiegen und mit dem Auto nach Nauders gefahren.”

Ein völlig durchnässtes Ziel-Selfie

“Andererseits: die letzten 450 Höhenmeter lagen jetzt auch noch drin. Wir machten uns au zum letzten Anstieg. Als wir diesen erklommen hatten, dachten wir nur noch ans Duschen, warme Kleider und “endlich trocken werden”.

Es war aber noch nicht fertig, weiter 200 Meter ging’s nochmals hoch und erst dann schafften wir die gemeinsame Zieleinfahrt.

Es war verdammt hart und musste wirklich mit Knochenarbeit verdient werden. Wir hoffen auf besseres Wetter und tanken erst einmal wieder neue Moral morgen.”

BikeHouse-Tag2
 Strecke Tag 2 

Imst – Nauders

86.9 Km, 2‘825 Höhenmeter
Pfundser Tschey (1687 müM)

Streckenprofil >

Die Via Claudia für Fortgeschrittene: Von Imst geht es nämlich keineswegs auf einfachen Talwegen in Richtung Reschenpass. Der einzige Pass, der in Richtung Süden aus Imst heraus führt, ist die Pillerhöhe, die bereits mehrmals Teil der Transalp war.

Von der Passhöhe geht es auf einer spannenden Abfahrt mit tollem Blick ins Inntal hinab. Zunächst auf Almwiesenwegen folgt später ein Waldweg und zum Abschluss ein kurzer, spaßiger Trail. Am Inn geht es nun tatsächlich auf der Via Claudia weiter – zwischen Ried und Tösens sogar auf deren schönsten Stück, das sich auf kurzer Tragestrecke an den Felswänden am Inn vorbeizwängt.

Ab Tösens folgt der 800 Höhenmeter-Anstieg zu einem landschaftlichen Hochgenuss, der Pfundser Teschey. Hunderte von Hütten auf saftigen Almwiesen präsentieren sich auf wie ein riesiger Sattel geformten Tschey vor toller Bergkulisse – ein Postkartenmotiv.

Von Pfunds geht es über die Kajetansbrücke in Richtung Schweiz und nach kurzem Besuch bei den Eidgenossen auf der 2012er Strecke von Sclamischot hinauf zur Norbertshöhe und auf kurzer Trailabfahrt hinab ins Ziel.
Text: bike-transalp.de

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