Die Königsetappe

In 6 Stunden und 25 Minuten beendeten Ueli Zimmerli und Daniel Probst die längste Transalp-Etappe mit den meisten Höhenmetern. Mit dem 9. Etappen-Rang in der Kategorie Grand Master verteidigten sie ihren 8. Platz in der Gesamtwertung – und sind übrigens die besten Schweizer in dieser Kategorie!

Wer den Blog gestern verfolgte und sich bereits ernsthafte Sorgen um Dani und Ueli machte: Die Moral der beiden ist zurück, wie ihr dem Tagesbericht von Dani entnehmen könnt:

“Der Startschuss zur heutigen Etappe fiel bereits um 08:00 Uhr. Das hiess für uns: früh ins Bett und sehr früh wieder aufstehen zur heutigen Königsetappe – sie wurde ihrem Namen wirklich gerecht und das in jeder Beziehung. Zum einen war sie verdammt hart in der Länge und Höhe, zum anderen war sie speziell auf Biker mit technischem Können zugeschnitten – Singetrails bis zum Abwinken!

Aber alles der Reihe nach:

06:00 Tagwache und sofort ans Fenster mit der ersten Frage: Regen oder trocken? Leider haben sich unsere Alpträume (oder auch “Traumas”) in die Realität umgesetzt und es hat wieder gep***t!

Die Moral war so bereits schon vor dem Frühstück wieder am Boden. Der Magen hatte auch keine Lust auf Essen, aber wir hatten 100 Kilometer vor uns und dazu noch happige 3’452 Höhenmeter. Also es musste was in den Magen, ob ich wollte oder nicht.

Dann die zweite grosse Tagesfrage: was anziehen, um nicht wieder – wie gestern – bereits nach 5 Minuten bis auf die blanke Haut nass zu werden und zu schlottern? Gore-Jacke und Regenhosen. Ueli hat sogar mit dem Gedanken gespielt, seine Winterhandschuhe anzuziehen. Okay, dick eingepackt und bereit für eine weitere Tortur, begleitete uns Kevin an den Start. Zwischendurch regnete es mal und mal nicht, so dass wir erst 10 Minuten vor dem Startpfiff in den Startblock eingestanden sind.

08:00 Uhr Start – und es ging bereits steil die ersten 700 Höhenmeter berghoch. Zwischendurch eine kleine Abfahrt, wo wir unsere Mägen wieder ein bisschen vom Frühstück beruhigen konnten. Der Regen war zwar nicht mehr so stark, aber dreckig waren wir bereits nach 5 Minuten wieder.

Es folgte ein auf und ab bis zur Bruggeralm, vorbei am Reschenpass. Dann der erste Singeltrail, der noch ein bisschen Nass und schlammig war, aber ansonsten schon ordentlich technisch.

Bild: sportograf.com

So ging’s weiter bis nach Glurns ins Vinschgau. Mal runter, mal rauf, aber sehr schön gelegen und Singeltrails vom Feinsten.

Dann – man höre und staune (!) – es hörte auf zu regnen und die Trails waren beinahe trocken. Ach ja, wir sind im Vinschgau angekommen – und da ist ja bekanntlich das Wetter ein bisschen anders. Es wurde sogar warm und wir konnten die Regenkleider ausziehen. Endlich ein Lichtblick für den heutigen Tag.

Auf dem Vinschgauer Radweg ging’s recht rasant in Richtung Präd, wo uns Kevin ein weiteres Mal erwartete und uns wieder mit Stärkungsmittel verpflegte. Weiter auf dem Radweg und durch die Obstplantagen vom Vinschgau ging’s recht zügig nach Laas, wo uns das Singeltrailparadies schlechthin erwartete. So sollte es bis nach Tarsch bleiben. Auf und ab auf den schönsten Singetrails, technisch nicht zu unterschätzen und teilweise recht schwierig zu fahren, da die Wurzeln und Steine noch feucht waren.

Auch wir mussten uns ein paar mal auf den Füssen fortbewegen und Ueli machte bei einem Abflug sogar Bekanntschaft mit den hiesigen Büschen! Gottlob aber ist nichts passiert. Andere hatten nicht so viel Glück und mussten das Rennen per sofort beenden und den Arzt aufsuchen.

Bild: sportograf.com

Nach der letzten Verplegungsstelle blieb voraussichtlich nur noch der Aufstieg zur Marzonalm, dann hatten wir die Höhenmeter der Tagesetappe geschafft. Dieser Berg wollte sich aber nicht so schnell bezwingen lassen – wir mussten nochmals an unsere Grenzen gehen, um die 1000 Höhenmeter zu bezwingen. Oben endlich angekommen, dachten wir nur noch ans runterfahren. Mit ein paar kleinen Gegenanstiegen mussten wir uns den den letzten wunderschönen Singetrail allerdings noch einmal hart verdienen.
Auf dem Radweg ging’s dann im Talboden nochmals recht flott ins Tagesziel nach Naturns. Wiederum beendeten wir die Tagesetappe auf dem hervorragenden 9. Rang und konnten unseren 8. Gesamtrang in der Kategorie halten.

Vielen Dank für die vielen Zusprüche nach der gestrigen Etappe aus der Heimat – sie sind alle angekommen, vielen Dank!”

BikeHouse-Tag3
 Strecke Tag 3 

Nauders – Naturns

100.1 Km, 3‘434 Höhenmeter
Bruggeralm (1874 müM)

Streckenprofil >

Der Vinschgauer Trail-Wahnsinn: Die Königsetappe der Craft BIKE Transalp 2014 powered by Sigma bricht alle Superlative. Klar, eine Etappe muss die längste und härteste sein. Dass sie aber mit Abstand die abwechslungsreichste ist, das ist etwas Besonderes. Die Anzahl an Trails ist gigantisch. Diese Etappe ist gespickt mit kurzen Spaß-Einheiten, die bis auf vereinzelte ruppige Stellen einfach nur schön zu fahren sind.

Am Reschenpass vorbei werden die ersten Höhenmeter gesammelt. Die ersten 500 vom Start weg ziehen gleich zu Beginn das Feld für mehr Platz in den Spaßpfaden auseinander. Vom Reschensee geht es dann über 400 Höhenmeter zur Bruggeralm, um die spannende Abfahrt nach Glurns anzugehen. Neben reizvollen Trails bietet diese als Krönung den Hammer-Blick zur weißen Kappe des 3905 Meter hohen Ortlers. Auf den letzten Metern geht es auf dem Radweg nach Glurns zum Einstieg in das, was die Locals hier im Vinschgau den „Zugtrail“ nennen. Von Latsch fahren die nämlich dann mit dem Zug die rund 40 Kilometer bis nach Glurns, um in einer Trail-Orgie zurückzufahren. Ein schöner Teil davon ist in diese Etappe verpackt, alles wäre etwas zu viel des Guten gewesen. Der wesentliche Charakter dieser Etappe ist nämlich jetzt davon bestimmt, Höhenmeter in kleinen Portionen zu sammeln, um sich Abfahrts-Belohnungen in kleinen Häppchen abzuholen. Und da kommt auf Dauer ganz schön was an Anstieg zusammen.

Wer dieses „Cross-Country-Profil“ nicht mag, ist dann aber wieder beim 1000-Meter Schlussanstieg zur Marzon-Alm voll bedient. Und auch da folgt die verdiente Belohnung in Form einer Trailabfahrt für Genießer, bevor es über Tabland auf dem Radweg nach Naturns geht.

Fazit: Ein wirklich unglaubliches Ding mit Kult-Potenzial, das sich für den Titel „Geilste Transalp Etappe“ aller Zeiten bewirbt.
Text: bike-transalp.de

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