Endlos dem Himmel entgegen

Nach nicht ganz fünf Stunden fuhren Dani und Ueli heute auf dem 10. Etappen-Platz in Sarntal ein. Nach wie vor klassieren sich die beiden auf dem hervorragenden 8. Gesamtplatz der Kategorie Grand Master.
Die relativ kurze Etappe (71 Kilometer) war aber mit einem Zoll von wiederum 2’772 positiven Höhenmetern belegt, welche sich hart erarbeitet werden mussten:

 

“Die heutige Etappe startete wieder um 09:00 Uhr – bei strahlend, schönen und warmen Temperaturen, ohne Regenjacke, Bein- und Ärmlinge! Motivation pur zu einer der landschaftlich vielleicht schönsten Etappe des diesjährigen Transalps.

Nach dem Start querten wir die beinah’ unendlichen Obstgärten des Vinschgaus im Meraner Becken, um danach steil und sehr, sehr lange bergauf in die Bergwelt der Sarntaler Alpen zu gelangen.

Bild: sportograf.com

Wieder konnten wir sehr weit vorne starten, was natürlich ein sehr grosser Vorteil war, wenn es im Feld eng wurde und die Staugefahr anstieg. Dies war bereits nach 5 Kilometer der Fall, als es in die erste Steigung ging. Da das Tempo aber sehr hoch war, zog das Feld in die Länge und wir konnten zügig die erste Hürde zur “Egger” hochfahren. Danach ging’s gleich los mit dem ersten schönen, aber auch kniffligen, Singeltrail, der nicht der Erholung diente.

Nach einer weiteren flachen – mit hohem Tempo gefahren – Passage ging’s weiter in den zweiten und gleich auch zur dritten sehr steilen Rampe, die aber jedesmal mit schönen und technisch nicht zu unterschätzenden Singetrails belohnt wurden. Leider wieder mit diversen Stürzen von andren Teilnehmern.

Bild: sportograf.com

Ueli und ich machten auf dem folgenden, flachen Teilstück durch die Obsthärten Tempo und konnten bei einer anderen Gruppe im Feld sehr gut mithalten. Aber teilweise wurden Geschwindigkeiten mit bis zu 48 km/h gefahren – es kam mir so vor, als ginge es bereits dem Zieleinlauf in Riva del Garda entgegen.

Nach der ersten Verpflegungsstelle beruhigt sich das Ganze wieder ein wenig und alle dachten das Gleiche: ‘das was jetzt kommt, wird ein verdammt hartes Stück Arbeit!’

Es war aber noch härter, als ich mir dies in meiner Vorstellung hätte ausmalen können. Es war knochenhart – und forderte jedem Biker alles ab, was er in den Beinen hatte. Ein langer Anstieg auf 25 Kilometern Länge und mit satten 1800 Höhenmetern. Die ersten 6 Kilometer ging es noch auf Asphalt eher moderat empor, aber danach kam die härteste Steigung, die ich je mit einem Bike zu befahren hatte. Bis hinauf nach Hafling mussten wir das Bike rund 1.5 Kilometer hinauf schieben und bei zwischendurch 31% Steigung sogar tragen. Ich und jeder, der bei mir war, war mit seinen Gedanken in sich versunken und die Szenerie wurde von einer toten Stille getragen.

Endlich in Hafling angekommen, konnten wir unser Bike wieder mit unseren Beinen bewegen. Ich dachte mir noch, dass das härteste Teilstück sicherlich geschafft sei – denkste! Es ging wohl nicht mehr so steil bergauf, aber unendlich lang scheinend stetig bergauf.

Bei der zweiten Verpflegungsstelle auf der Leadneralm konnten wir unsere Reserven nochmals auftanken. Es lagen immer noch sehr anstrengende und kräftezehrende 10km vor uns, bis hinauf auf die wunderschön gelegene Vöraneralm, die auch von sehr vielen Wanderern aufgesucht wird.

Nach rund zwei Stunden Fahrzeit hatten wir endlich den höchsten Punkt erreicht. Es ging kurz runter, aber gleich wieder auf einer kurzen Fusspassage wieder hoch. ‘So, jetzt kann’s doch nur noch runter gehen!?’ Alle erhofften sich das Gleiche, aber bis zur Öttenbacher Alm ging’s dann einfach immer noch himmelwärts.
Wenn man so lange und so weit hoch fährt, kommt jeder an den Punkt, wo nur ein paar Meter bergan bereits Schmerzen bereiten. Aber auch die Alm konnten wir bezwingen. ‘Ich will jetzt endlich runter fahren!’

Auf einer Schotterstarsse mit Steinen und losem Geröll ging’s dann auch wirklich runter, bis zu einer Abzweigung in einen Singeltrail. Dieser kam uns merkwürdig vertraut vor und tatsächlich – wir sind diesen Weg bereits 2009 gefahren, einfach von der anderen Seite her.

Mit ein paar kleinen Gegenanstiegen rollten wir recht schnell talwärts. Ueli und ich hatten auf diesem Trail auch wirklich noch unsern Spass. Bis nach Sarnthein hinunter bis ins Ziel offerierte uns der Organisator dann noch das ‘Dessert’: ein wirklich sehr schöner Singeltail, gespickt mit technischen Hindernissen, bis hinunter ins lang, lang ersehnte Tagesziel nach Sarnthein.

Fazit: Total erschöpft, aber mit einem wunderschönen Panorama und kniffligen Singeltrails hat sich die ‘Schinderei’ gelohn.”

 Strecke Tag 4 

Naturns – Sarntal

71.1 Km, 2‘772 Höhenmeter
Vöraner Alm (1938 müM)

Streckenprofil >

Nach der eindrucksvollen Königsetappe am Tag zuvor kann die vierte gleich einpacken. Denkste! Hinter der Mathematik von 70 Kilometern und fast 2800 Höhenmetern versteckt sich der Geheimtipp der 2014er Transalp – eine Etappe, die wieder Alles zu bieten hat. Vor allem tolle Trails und einzigartige Panoramen.

Von Naturns geht es am Nordhang des Vinschgau hinab ins heiße Meraner Becken. Zwei kurze Anstiege sind gekrönt von zwei lässigen Trailabfahrten, an deren Eingang es sich wohl noch etwas stauen könnte. Nach einer flachen Fahrt durch die Obstgärten geht es von Burgstall steil hinauf nach Hafling, der Heimat der berühmten Pferderasse. Meist – und auch zum Glück – auf Asphalt, müssen einige Rampen überwunden werden, das steilste Stück, ein elendig vertikaler Karrenweg, muss geschoben oder getragen werden.

Ab Hafling wird das Gelände flacher und durch Wald und schließlich weitläufige Almflächen geht es hinauf zum Höhenzug, der das Etschtal vom Sarntal trennt. Jetzt kommt das schönste Teilstück der Transalp 2014. Oberhalb der Waldgrenze präsentiert sich zunächst das Breitbandkino von der Brenta bis zur Texelgruppe und den Ötztaler Alpen. Auf der anderen Seite des Kamms zeigen sich dann die Dolomiten in voller Pracht. Und die Panoramawege sind zudem alles andere als langweilig. Die Abfahrt ins Sarntal beginnt mit einem Schotterweg und einer kupierten Trailpassage von der Öttenbacher Alm zur Sarner Skihütte, die 2009 bereits anders herum gefahren wurde.

An der Sarner Skihütte beginnt das Grande Finale. Was die Bikelocals um Tourismus-Chef und „Craft & Friends Transalp-Legende“ Walter „Wally“ Perkmann da aus dem Hut gezaubert haben verdient das Prädikat „besonders wertvoll“. Da kommen jetzt noch 600 handverlesene Trail-Tiefenmeter durch den Wald, schön knackig, aber im wahrsten Sinne essenziell. Grins! 
Text: bike-transalp.de

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