“Jetzt heissts uf d Zäng bisse. Es werd aber mega hert…”

Auch heute blieben Ueli und Dani auf dem Weg nach Kaltern unter fünf Stunden. 10. Etappen-Rang, 8. im Gesamtklassement der Grand Master Kategorie.Der heutige Bericht von Dani wurde eingeleitet durch zwei Zeilen in Mundart, welche wir für einmal auch im Blog veröffenlichen – da diese wohl den Tag am treffendsten umschreiben:

“Am liebschte würd eg hüt gärn nüd schriebe, ig bi düre und und ha dr Läckmer!!!
Aber jetzt heissts uf d Zähng bisse und bis am Samschti durehebe. Es wird aber mega hert…”

 

Dani biss in der Folge bereits ein erstes Mal auf seine Beisser und ringte sich doch noch durch, den Tag in Worte zu fassen:

“Der Start wurde heute wieder auf 09:00 Uhr zur vermeintlich “einfachsten” und kürzesten Transalp-Etappe nach Kaltern angesetzt. Auch dieses Mal irrten wir uns gewaltig und es sollte der bis dahin zweithärteste Tag dieser Woche werden. Genau die gleiche Etappe sind wir bei unsern ersten Teilnahme am Transalp 2009 gefahren, einfach dieses Jahr etwas kürzer – aber es kam mir nicht so vor!

Gleich nach dem Start erwartete uns ein Aufstieg mit satten 1000 Höhenmetern am Stück und das auf bloss 11 Kilometern Distanz. Zuerst auf Asphalt bis zur Sarner Skihütte und danach auf Schotter bis zum Auener Jöchel. Dann ging’s auf einem schmalen Wanderweg hinauf zum ‘Steinernen Mandln’. Eigentlich hatte ich beim Aufstieg ein recht gutes Gefühl in den Beinen und dachte, dass gehe doch recht gut und konnte immer in Sichtweite mit Ueli hinauf kurbeln.

Bild: sportograf.com

Jetzt kam das Highlight vom Tag, 1800 Höhenmeter hinab – gespickt mit Singeltrails von der schwereren Sorte.
Ab Mölten wurde es aber knallhart – immer steiler und schwieriger, so dass sich wieder ein paar Biker mit ihrem Können übernahmen, sprich Stürze im Minutentakt. Ueli und ich konnten unser fahrtechnisches Können ausgespielen und unsere Fahrt bis zum Talboden hinab ohne Sturz weiterführen. Aber ich habe noch selten so auf das Ende eines Singeltrail gesehnt, wie heute. Die Bremsen waren nahe am Siedepunkt und unsere Hände meldeten sich mit Krampferscheinungen – derart wurden Mensch und Maschine auf die Probe gestellt.

Bild: sportograf.com

Wir überquerten danach die Talseite von den Sarntaler Alpen zum Ortler Massiv und es folgte der nächste Aufstieg – wieder mit 1000 Höhenmetern am Stück. Auf einer Teerstrasse  ging’s die ersten 8 Kilometer steil hinauf. Jetzt folgte doch der erste Tribut für die bis dahin gemachten Etappen. Ich hatte manchmal das Gefühl, ich komme nicht mehr vom Fleck und meine Stollen würden am Boden kleben bleiben. Ueli erzählte mir danach, auch er habe eine Krise überwinden müssen. Nach der zweiten Verpflegungsstelle habe er sich aber wieder erholen können.

Bei mir war das nicht mehr der Fall – ich kroch noch irgendwie auf den höchsten Punkt zu und dachte mir: “jetzt einfach die letzten Kräfte einteilen und irgendwie in die Abfahrt kommen”. Wie ich beobachten durfte, dachten dies wohl auch andere. Der eine oder andere musste vom Bike steigen und laufen, weil keine Kraft mehr in den Beinen war.

Weitere Kraftreserven verpufften in diversen Laufpassagen, da die Anstiege so steil waren, das Schieben nicht mehr ging und das Bike geschultert werden musste. Nach der Abfahrt vom Eppaner Höhenweg ging’s immer wieder rauf und runter, rauf und wieder runter – und jeder verzerrte sein Gesicht – weil es immer wieder so eine kleine “Scheiss-Rampe” hoch ging.

Ich litt wie ein Hund und jede Rampe nagte erbarmungslos an den letzten Reserven in meinen Beinen, so dass ich nur noch am Limit gefahren bin. In der Ortschaft Kaltern angekommen biss ich nochmals auf die Zähne – Ueli führte mich durch die Obstplantagen auf dem Radweg bis ins lang ersehnte Ziel.”

 Strecke Tag 5 

Sarntal – Kaltern

67.3 Km, 2‘783 Höhenmeter
Stoanane Manlin (1996 müM)

Streckenprofil >

Etappe 5 entspricht grundsätzlich der 2009er Etappe von Sarntal nach Kaltern. Mit der Variation, dass der Übergang zurück ins Etschtal nun auf direkterem Wege angegangen wird. Und dabei rund 400 Höhenmeter gespart werden.

Von Sarnthein geht es ohne Vertun in den Anstieg zur Sarner Skihütte, dann ganz kurz auf dem Abfahrtsweg des Vortages weiter, um direkt den mit kurzen Rampen gespickten Schlussakkord des ersten Berges über die Auener Alm zu den „Stoananen Mandeln“ anzugehen. Die mit hunderten von Steinmännern verzierte 2000er-Kuppe ist ein historischer Hexenkultplatz und gleichzeitig ein 360-Grad-Alpenkino der Kategorie 1A. Vielleicht macht es Sinn, sich hier oben von einer Kräuterhexe einen Zaubertrank anrühren zu lassen. Als Elixier für die 1800-Höhenmeter-Abfahrt ins Etschtal, die in der Summe wohl die anspruchsvollste der Woche ist. Zwar folgen nach einem kurzen Rumpel-Trail zum Möltener Kaser zunächst flachere Almweg-Kilometer.

Doch ab Mölten geht es auf der zweiten Hälfte gespickt mit rockigen Karrenwegen und ebenso steinigen Trails hinab nach Sirmian. Das ist die technisch größte Herausforderung des Jahres. Auf der anderen Seite des Etschtals geht es dann auf der kleinen Straße wieder hinauf nach St. Apollonia und schließlich im Wald zum Höhenweg, der sich über dem Etschtal kupiert um den Berg hinüber nach Kaltern schlängelt.

Einmal muss das Bike rund 100 Meter hochgeschleppt werden, bevor es ab Boos sehr abwechslungsreich auf Waldwegen und Trails um Kaltern herum bis fast zum Kalterer See und von hinten durch die Weinberge zur Kellerei geht. Vielleicht mag sich der eine oder andere nach 5 von 7 Tagen mal einen Schluck Wein gönnen. Das ist zumindest ein lohnender Genuss im Weinparadies.
Text: bike-transalp.de

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