Auf dem “letzten Zacken” nach Trento

 

Das Durchbeissen hat geklappt! Nach 5:51.54,5 fuhren Ueli und Dani in Trento gemeinsam ins Ziel. Platz 11 des Tages. Durch einen Team-Ausfall rutschen Dani und Ueli im Gesamtklassement auf Platz 7 vor. Während aber Ueli relativ beschwertefrei auffahren konnte, musste sich Dani – wie angekündigt – regelrecht durchbeissen.

 

“Der Start um 09:00 Uhr bei wunderschönem Wetter in Kaltern. Die ersten 15 Kilometer wurden neutralisiert und boten uns eine schöne Einrollphase nach Neumarkt. Man merkt langsam aber sicher, dass die Konzentration bei manchen Fahren nachlässt. Von Anfang an wurde sehr unruhig gefahren und immer wieder von diversen Bremsmanöver geprägt. Auch gab es immer wieder Stop and Go Phasen, weil sich Autos auf der Gegenfahrbahn befanden und es zu Verengungen kam.

Endlich in Neumarkt angekommen, ging es erstmals recht steil einen Wiesenpfad bergauf – die synchronen Schaltgeräusche der Bikes vor dem Anstieg waren eindrücklich. Erst ging es sehr moderat auf Asphalt, später auf Schotter bergauf. Das Fahrerfeld pendelte sich nun ein und man wähnte sich auf Höhe von bekannten Teams bergauf, man kennt sich ja, so nach 6 Tagen.

Wie jeden Tag verabschiedete sich Ueli von mir und ich fuhr stoisch mein Tempo hoch bis nach Kaltenbrunn. Es deprimiert mich, dass ich Ueli relativ schmerzfrei ziehen lassen muss und er jeweils auf mich warten muss. Aber mein Körper gibt einfach nicht mehr her. Da die Strecke nicht so steil war, kam ich aber auch recht gut voran.

Zu erwähnen sind noch die vielen Tunnels, die unbeleuchtet sind und von da her sehr unangenehm zu fahren waren. Es wurde stockdunkel und sah nicht, wohin man eigentlich fuhr.

Ab der Ortschaft Truden ging es in eine kleine Abfahrt, die nur kurz zum Erholen taugte.

Nach 40 Kilometer gab es eine kleine “Erfrischung” und man stärkte sich am Verpflegungsposten. Von da an wurde es wieder steiler und das Tempo nahm merklich ab. Nach 1500 Höhenmeter und fast zweieinhalb Stunden Fahrzeit ist der Höchste Punkt, das Trudener Horn, bezwungen.

Es folgte ein stetiges auf und ab auf den nächsten 30 Kilometern, die mit Singeltrails und Karrenwegen gespickt waren. Auf dieser “Abfahrt” sammelten wir aber auch nochmals 600 Hm ein, so dass wir im Talboden bei Lavis bereits 2100 Hm auf dem Tacho leuchteten. Jetzt galt es bei Kilometer 80 beim zweiten Verpflegungsposten nochmals Kraft zu tanken und dann den letzten Anstieg zum Monte Calisio in Angriff zu nehmen.

Auch bei diesem Anstieg fuhr ich auf dem letzten “Zacken”, da es wieder sehr steil bergauf ging und meine Reserven sich dem Ende neigten. Es gelang mir kaum Kraft in die Pedale zu legen. Ueli hingegen konnte ordentlich sein Tempo fahren und gnoss oben angekommen das wunderschöne Panorama hinunter nach Trento.

Als Belohnung folgte zum Schluss nochmals ein sehr schwieriger Singeltrail, der insbesondere auch seine Opfer forderte. Viele Biker sind einfach derart platt, dass die Konzentration schwindet, was gerade in Abfahrten seinen Tribut zollt.

Auch diese Etappe musste hart erkämpft werden und wurde auf dem Piazza Duomo in Trento beendet.

 Strecke Tag 6 

Kaltern – Trento

96.3 Km, 2‘873 Höhenmeter
Trudener Horn (1781 müM)

Streckenprofil >

Etappe 6 ist wirklich spannend, weil sie ganz neue Transalp-Wege beschreitet. Von Kaltern rollt das Feld zunächst neutralisiert zum großen Berg des sechsten Tages.

Die ersten 15 Kilometer gibt’s geschenkt, um die Beine warm zu fahren. Für den längsten Anstieg am Stück hinauf zum Trudener Horn – in der Summe fast 1600 Höhenmeter. Dieser ist in zwei Abschnitte einzuteilen. Zunächst geht es ab Montan auf der Trasse der alten Fleimstaler Bahnstrecke bis Kaltenbrunn. Weil hier mal eine Eisenbahn rauf musste, freuen sich Biker-Beine jetzt auf 10 Kilometern Länge über moderate 5% Steigung.

Auf der Straße geht es zum jetzt weniger zahmen Anstieg nach Truden. 600 Höhenmeter müssen jetzt auf 5 Kilometern bewältigt werden – ein echter Wadenbeißer. Nach dem Gipfel folgt ein Streckenabschnitt, der alles Nötige für eine spannende „Star Trek“-Folge mitbringt: Wir dringen in Regionen vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Zumindest wird sich der absolute Großteil der Transalp-Teilnehmer auf ein ganz neues Abenteuer einlassen.

Die verspielte Abfahrt mit Forststraßen, Waldwegen und Trails sammelt über den Lago Santo hinunter nach Lavis einfach mal beiläufig über 500 Höhenmeter auf. Und man muss um vorwärts zu kommen immer wieder kräftig reintreten.

Von Lavis folgt der äußerst reizvolle Abschluss an den Hängen des Monte Calisio nach Trento. Zwar stellt sich noch einmal eine kurze, fiese Pflasterweg-Rampe in den Weg. Der zauberhafte Zick-Zack-Weg im lichten Lärchenwald hinauf zur Abfahrt nach Trento entschädigt aber für die kurze Plackerei. Die geheimen Pfade, die der in Lavis lebende Ex MTB-Profi Ivan Degasperi aufgespürt hat, kennen, so der Local augenzwinkernd, nicht einmal die gebürtigen Trentiner Biker. Diese Pfade kommen genau richtig, um die Mundwinkel für die Flaniermeile Trento nach oben zu tackern. Und im tollen historischen Ambiente des Domplates nicht mehr fallen zu lassen.
Text: bike-transalp.de

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