Es ist geschafft!

 

 Der Gardasee ist erreicht! Wiederum auf Platz 10 der Etappe fuhren Dani und Ueli in Riva del Garda ein. Insgesamt blieben die beiden knapp unter 37 Stunden (36:58:58.5) Fahrzeit für die 587 Kilometer und über 19’000 Höhenmeter – Platz 7 (!) im Gesamtklassement der Kategorie Grand Master.

 

“Bereits in der Nacht kündigte sich das Wetter für den kommen Tag an: Regen, teils so ergiebig, dass wir um Mitternacht in unserem Schlaf gestört wurden. Auch beim Frühstück erhörte der “Wettergott” unsere Bitte nicht und es regnete in Strömen, so dass unsere Moral bereits vor dem Start fast auf den Nullpunkt gesenkt wurde.

Dennoch mobilisierten wir unseren letzten Willen, zogen unsere Regenkleider an und fuhren zum Startpunkt auf der Piazza Duomo, wo es auch letzten Tag Punkt 09:00 Uhr losging.

Es erwartete uns die ersten Auffahrt mit 1200 Höhenmetern und ca. 19 Kilometern auf den höchsten Punkt des Tages mit 1477 Metern über Meer.

Die ersten 3 Kilometer waren wieder neutralisiert und führten uns ausserhalb Trento Richtung Sardagna, wo es gleich mit einer sehr steilen Rampe losging und unseren Puls gleich auf sein Maximum hochjagte. Dann machten wir gleich Bekanntschaft mit Schlamm und Dreck und fuhren im Wald auf einem Pfad, der uns nur noch sehr mühsam mit unserem Bike passieren lies. Zwischendurch – wieder auf Asphalt – ein kurzes Stück den Berg hinauf, aber das Wasser kam uns aus jeder Richtung entgegen und wir hatten manchmal das Gefühl, es wolle uns wegschwemmen, so viel Wasser hatte sich auf der Strasse und auf den Waldwegen gesammelt.

Jeder hatte wohl die gleichen Gedanken: warum tue ich mir das wieder an! Nachdem uns das Wetter am Montag bereits einen solch’ schweren Tag eingehandelt hatte.

Dieser Tag sollte den Montag jedoch noch in den Schatten stellen! Ab der Ortschaft Sardagna wurde es dann ein bisschen flacher, aber auf keinen Fall einfacher. Immer wieder mussten wir in einen Pfad einbiegen, der fast unfahrbar wurde, weil man regelrecht im Sumpf stecken blieb mit unseren Stollen. Ab Malga Brigolina wurde die Fahrt dann doch etwas einfacher, weil wir auf einer Forststrasse weiterfuhren und diese vom Regen nicht so schnell aufgeweicht wurde. Endlich nach fast 2 Stunden Fahrt wurde der höchste Punkt, der Monte Bondone, erreicht und ich bemerkte auf einmal, dass bei meinem Bike die Kette immer wieder verklemmte. Zuerst dachte ich, es sei der Dreck oder der Regen, welcher die Schmierung vernichtet habe. Aber nein, tatsächlich hatte sich mein kleines Kettenblatt bei diesen schwierigen Wetterkapriolen derart schnell verschliessen (!), dass dieses meine Kette “einsaugen” mochte!
Also konnte ich von da an nur noch vorne auf dem grossen Kettenblatt fahren und musste mich bis ins Ziel mit dieser schweren Hypothek abfinden. Zuerst zweifelte ich, wie ich dies überhaupt schaffen sollte, nachdem ich in den zwei Tagen zuvor fast keine Kraft mehr bei den Aufstiegen hatte. Aber mit dem Ziel vor Augen, trieb ich mich voran und  generierte nochmals Kraft.
Vor allem ging’s mir körperlich auch viel besser als an den Vortagen. Mein Magen rebellierte nicht mehr, so dass ich auch wieder mehr Kraft in den Beinen hatte.

Kurz nach der Auffahrt kam unsere erste Verpflegungsstation, bei der ich nur kurz anhielt, um meine Trinkflasche aufzufüllen – Hunger verspürte ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen.

Die Abfahrt forderte dann bei diesem Wetter auch wieder volle Konzentration, da sich die Singeltrails in Wildbäche verwandelten und die Bremsen fast nutzlos wurden. Aber Ueli und ich bewährten uns wieder einmal als sehr gute “Downhiller”, so dass wir auch diese Hürde unbeschadet nehmen konnten.

Bild: sportograf.com

Bei Cevedine im Talboden angekommen wüste jeder Teilnehmer, dass ein grosses Stück geschafft war und jetzt die letzten 2 “kleinen” Anstiege nichts mehr anhaben werden. Bei der zweiten und letzten Verpflegungsstelle fuhr deshalb fast jeder vorbei, weil man nur noch das Ziel in Riva im Sinn hatte.

Den ersten kleinen Anstieg fuhren wir wirklich problemlos hinauf und mir wurde auch erst später bewusst, dass ich ja “nur” noch auf dem grossen Kettenblatt fuhr. Aber ich mobilisierte sämtliche Kräfte und konnte am heutigen Tag sehr gut mit dem Tempo von Ueli mithalten. Dann folgte eine kleine “Schlamm-Abfahrt” nach Vigo Cevedine bevor es wieder an den Berg zur letzten Auffahrt der gesamten Woche ging. Zuerst auf Asphalt, danach auf Forststrassen nochmals 400 Höhenmeter rauf und dann war es doch endlich geschafft – Aber weit gefehlt, die letzte Abfahrt nach Castagnera stellt unser Können nochmals auf die Probe: Rutschig und teilweise in einem Bachbeet, hiess unsere Devise: “jetzt einfach nicht mehr stürzen”. Unbeschadet bei Braila angekommen, blinzelte ich zu Ueli rüber und signalisierte ihm: “Jetzt noch eine kleiner Anstieg und dann gehts nur noch über Arco runter bis ins Ziel nach Riva”. Ueli befand wohl mein Signal als Motivation und fuhr die Asphaltstrecke hinunter, als wolle er noch aufs Podest fahren. Ich kam fast nicht hinterher und dies war während der ganzen Transalp Tour noch nie der Fall, dass Ueli hinunter schneller fuhr als ich. Aber jetzt konnte uns wirklich nichts mehr aufhalten. Wir hielten unser Tempo bis ins Ziel durch. Endlich Riva ist erreicht, jetzt ging es nur noch um ein paar Ecken und dann flach ins Ziel.

Bild: sportograf.com

Die Freude endlich das Ziel erreicht zu haben, lies uns unsere Strapazen, Leiden und das schlechte Wetter vergessen – Ein unbeschreibliches Gefühl, nach so einer harten Woche die Ziellinie zu überfahren.

Einen sehr grossen Anteil für unsere Leistung hatte auch Kevin Stettler, unsere Begleitperson und Privatmechaniker, der uns jeden Tag motivierte und unsere Bikes bereitstellte, so dass wir uns unbeschwert auf unseres Rennen konzentrieren konnten. Darum besten Dank, das war wirklich super, Kevin!

So nun hoffe ich, dass ich allen Lesern einen spannenden Einblick von dieser harten Transalp Woche vermitteln konnte, dies ist mit Sicherheit meine zweite und auch letzte Teilnahme an einer Transalp.

Auch einen grossen Dank möchte ich Eymann Chrigu aussprechen, er hat unsere Storys und Bilder publiziert – merci vül mou Chrigu!”

 Strecke Tag 7 

Trento – Riva del Garda

61.8 Km, 2‘325 Höhenmeter
Monte Bondone (1455 müM)

Streckenprofil >

Wie es sich gehört, ist die letzte Etappe mit rund 60 Kilometern und 2300 Höhenmetern die Leichteste. Sie ist aber immer noch eine vollwertige Transalp-Etappe und besonders nach 6 anstrengenden Tagen nicht zu unterschätzen.

Von Trento geht es wie 2011 zunächst an den Flanken des Hausberges, des Monte Bondone, hinauf zur Malga Brigolina und von dort auf Forstwegen weiter hinauf zum weitläufigen Almgelände zu Füßen des Gipfels. Hier darf man den gigantischen Blick in das Massiv der Brenta genießen, bevor es auf verwunschenen, teils ruppigen Waldwegen ins Cavedine-Tal geht.

Oberhalb von Drena geht es über einen letzten Berg in Richtung Castagnera und auf einem letzten steilen Urwald-Trail hinab nach Braila, von wo die Abfahrt durch Kastanienwälder vorbei an Kletterfelsen nach Arco führt.
Jetzt geht es nur noch flach bis ans Ufer des Lago. Geschafft!
Text: bike-transalp.de

 

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